frisch gespielt - Magazin für Brett- und Gesellschaftsspiele

Die Finanzkrise spielerisch verstehen

Ende des Jahres 2011 steht es um die Weltwirtschaft nicht sonderlich gut. Im September 2008 löste eine erste Finanzkrise in New York City eine Schockwelle aus, die auch den entlegensten Winkel dieses Planeten erreichte. Schließlich musste Island bankrott anmelden. Nicht, weil sich das Land und seine Bürger zu hoch verschuldet hatten, sondern deren Banken. Mitgehangen mitgefangen, heißt es nicht umsonst in  Finanzkreisen - oder wie es der Nobelpreisträger Stieglitz auf den Punkt bringt: Profite der Banken werden privatisiert, Verluste verstaatlicht. Ja, wir leben in einem Ersatzkapitalismus. Wenn Sie wissen möchten, was das genau bedeutet, nun, dann können wir Ihnen dahingehend unter die Arme greifen. Spielerisch, versteht sich. Nehmen Sie einfach das Spiel DKT zur Hand - ob es sich dabei um die Ausgabe Wien oder Alpen handelt, tut freilich nichts zur Sache, wobei aus gegebenem Anlass würde sich die Ausgabe Europa durchaus empfehlen. Einer der Spieler übernimmt wie gehabt die Funktion der Bank, die etwaige Ein- und Auszahlungen während des Spiels tätigt. Um die Sache nun realistischer zu gestalten, ist es dem Bankier erlaubt, Kredite aufzunehmen, die er nach seinem Gutdünken verwenden bzw. verteilen darf. Die Höhe des Kreditrahmens wird zu Beginn festgelegt. Wird dieser Kreditrahmen während des Spiels vollständig ausgeschöpft, müssen die anderen Spieler die Kredite der Bank - soweit möglich - ausgleichen. Mit anderen Worten: Alle haften für die Schulden des Bankiers, auch wenn dieser damit nur für sich Häuser und Hotels kaufte. Eine Erweiterung dieser Ersatzkapitalismus-Regel sieht vor, dass es nun auch eine Börse gibt, die durch zwei Würfel symbolisiert wird. Jeder Spieler darf sein Glück probieren. Ergeben die Augenzahlen die Summe 7, erhält der Investor den doppelten Einsatz, ist die Summe 12, den dreifachen Einsatz zurück. Dem Bankier steht es natürlich frei, mit dem aufgenommen Kredit an der Börse zu spekulieren. Sollte es nicht so gut laufen, keine Sorge, die restlichen Spieler übernehmen am Ende ja gemeinsam die Schuldenlast. Gehen Sie davon aus, dass der Bankier im Kreuzfeuer der Kritik stehen wird und sich unangenehme Fragen gefallen lassen muss. Aber das darf ihn nicht weiter beunruhigen, schließlich hat er die Spielregeln nicht gemacht. Wenn Sie nun der Meinung sind, diese Erweiterung hätte mit der Realität nichts zu tun, weil die Realtiät nun mal komplexer als jedes Spiel ist, dann haben Sie natürlich recht. Andererseits, auch komplexe Sachverhalte haben einen wahren Kern, dem man sich durchaus spielerisch nähern kann. Während sich die Zeitungen und Nachrichten mit Schlagzeilen zur Finanzkrise überschlagen, können Sie nun diesen komplexen Sachverhalt für eine kurze Zeit am Tisch auf einfache Weise nachspielen. Und das Beste dabei: Wenn Ihnen die Erweiterung nicht mehr gefällt, dann ändern Sie die Spielregel.

 

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